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Pflanzen
Wie die Vielfalt von Kulturpflanzen entstand...
Die Getreide gehören zu den ältesten in Kultur genommenen Wildpflanzen. Sie begleiten den Menschen schon seit gut 10'000 Jahren und ermöglichten ihm erst, sesshaft zu werden. In Mitteleuropa wurden die Getreide während der Völkerwanderungen aus Kleinasien eingeführt. In der Antike waren es vor allem die Römer, die zahlreiche Gemüsearten sowie Obst anbauten und bei uns etablierten. Im späten Mittelalter kamen dank den grossen Seefahrten bis dahin unbekannte Gemüsearten und Ackerpflanzen aus der Neuen Welt dazu, z. B. Mais, Kartoffeln und Tomaten. Mit dem Anlegen von Lustgärten gewannen auch Zierpflanzen zunehmend an Bedeutung.

...und warum sie heute bedroht ist
Das 19. Jahrhundert gilt gemeinhin als das Jahrhundert der Vielfalt. Doch die moderne Züchtung des 20. Jahrhunderts, neue Anbaumethoden und die industrielle Verarbeitung vieler Produkte liessen alte Kulturpflanzen in Vergessenheit geraten, da diese oft den neuen Ansprüchen nicht mehr genügen. Auch die gesellschaftlichen Veränderungen bedrohen die Vielfalt, wenn immer weniger Leute in der Landwirtschaft oder im Hausgarten tätig sind.

ProSpecieRara bewahrt die Vielfalt
1985 begannen ehrenamtliche ProSpecieRara-Mitarbeiter in der Schweiz intensiv mit dem Sammeln gefährdeter und vergessener Kulturpflanzen. Bis heute konnte damit eine beachtliche Anzahl an Sorten zusammen getragen und vor dem Verschwinden gerettet werden. Gut 30 Jahre nach Beginn der Sortensammlung weist ProSpecieRara einen reichen Schatz auf, der gegen 1000 Garten- und Ackerpflanzen, 100 Kartoffelsorten, 1800 Obstsorten, viele Beeren- und Rebensorten und die ersten Zierpflanzen enthält. 
In Deutschland kann ProSpecieRara dank ihrem Partner der Stiftung Kaiserstühler Garten auf eine schöne Sammlung von gegen 500 Garten- und Ackerpflanzen zurückgreifen, die bei Eichstetten am Kaiserstuhl in einem öffentlich zugänglichen Garten auf 5000m2 angebaut, gepflegt und vermehrt werden. Jährlich werden hier 300 Sorten angepflanzt (www.kaiserstuehler-garten.de). In einem benachbarten „Obstmuseum“ stehen 50 verschiedene lokale Obstsorten, die Teil der Sammlung der Stiftung sind. 

Lebenderhaltung

Was gesammelt wird, ist nicht automatisch erhalten! Die grosse Herausforderung war und ist, die Vielzahl an Sorten anzubauen, zu pflegen, Saat- und Pflanzgut zu gewinnen und zu verbreiten. Dies ist nur mit Hilfe grosszügiger Spenden und zahlreicher freiwilliger Betreuerinnen und Betreuern von Sorten möglich geworden. Die Lebenderhaltung von Garten- und Ackerpflanzen geschieht mittels der Samenbibliothek, an der sich heute in der Schweiz rund 300 Aktive beteiligen. Im Obstbereich sind es die Besitzer von ca. 170 Obstgärten, die in der ganzen Schweiz verteilt für den Erhalt der Vielfalt bürgen. Dazu kommen Sortengärten und -Sammlungen von Kartoffeln, Beeren, Reben und Zierpflanzen, welche die seltenen Nutzpflanzen vor dem Verschwinden bewahren.
Dieses Erhaltersystem soll nun auch in Deutschland aufgebaut werden. Sie können Teil sein davon!

Fruchtbare Zusammenarbeit
Ohne die Unterstützung durch Spender, Legate und grosszügige Sponsoren wäre die Schweizer Stiftung nicht dort wo sie heute ist. Dank von der öffentlichen Hand unterstützter Projekte im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen (NAP) konnte die Erhaltungsarbeit schneller voran getrieben und gesichert werden. Europaweit einzigartig ist die Vermarktung von bisher über 70 raren Pflanzensorten über den Grossverteiler (Coop) und doppelt so vielen Sorten über den Bio-Nischenhandel unter dem ProSpecieRara-Gütesiegel. Auch in Deutschland ist ProSpecieRara auf der Suche nach Partnern (Direktvermarkter, Saatgutproduzenten, Gartencentren, etc.), die das Gütesiegel für die Förderung und Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt über den Handel einsetzen möchten. 

Neue Wege
ProSpecieRara hat in der jahrelangen Erhaltungsarbeit erkannt, dass samenvermehrte Pflanzen (Gemüse, Ackerpflanzen, Zierpflanzen) auch in einer Erhaltungszucht stets der Selektion und züchterischen Arbeit bedarf. Damit die spannenden Eigenschaften von ProSpecieRara-Sorten auch in Zukunft zur Verfügung stehen, engagiert sich ProSpecieRara vermehrt für die Züchtung mit alten Sorten.
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