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30 Jahre ProSpecieRara
Am 15. Dezember 1982 wurde die Stiftungsurkunde von ProSpecieRara ausgestellt - mit einem Stiftungsvermögen von 15'000 Franken wurde damals gestartet. Seither ist viel passiert...
Ein Mittwoch wars, als der Gründer von ProSpecieRara, Hans-Peter Grünenfelder, sich im Handelsregisteramt in St. Gallen einfand, um die Stiftung zu gründen, und diese Stiftungsurkunde zu unterzeichnen.

1980 sorgte die Weltzukunftsstudie Global 2000, die US-Präsident Carter in Auftrag gegeben hatte, weltweit für Furore. Denn mit dieser Studie machten die Autoren unter anderem auf die Gefahren der zunehmenden Uniformität unserer Ernährung aufmerksam. Der Druck hin zu erhöhter Produktivität führe zu einer Konzentration auf einige wenige Hochleistungssorten und -Rassen, was zu einer bedrohlichen Abnahme der genetischen Vielfalt und damit zu einem erhöhten Inzuchtrisiko führe. Dies wiederum stelle eine Gefahr für die Stabilität unserer zukünftigen Nahrungsmittelversorgung dar.

Aus WWF-Kreisen hervorgegangen
Auch in der Schweiz stiess dieser aufrüttelnde Weltzustandsbericht in einigen Kreisen auf offene Ohren. Unter der Führung von Hans-Peter Grünenfelder taten sich initiative Menschen aus dem Umkreis von WWF Schweiz zu einer Organisation zusammen, mit dem Ziel, sich für die Erhaltung und den Schutz des genetischen und kulturhistorischen Erbes von Kulturpflanzen und Nutztierrassen der Schweiz einzusetzen. Damit wurde am 15. Dezember 1982 die Stiftung ProSpecieRara in St. Gallen gegründet.

Sofort wurde zur Tat geschritten; die letzten Tiere bereits vergessener oder ausgestorben geglaubter Rassen wurden in entlegenen Gebieten aufgespürt und zu Kernherden zusammengeführt. So konnten die letzten Spiegelschafe, Stiefelgeissen oder Rinder des Rätischen Grauviehs unter teils abenteuerlichen Bedingungen gerettet werden. Auch Gemüsesorten und Ackerpflanzen wurden durch Aufrufe in der Bevölkerung gesammelt. 1985 wurden die Aktivitäten auch auf den Obstbereich ausgeweitet. Dies geschah zu einer Zeit, als der Begriff "Biodiversität" wissenschaftlich noch nicht eingeführt war. Somit kann mit Recht behauptet werden, dass ProSpecieRara auf diesem Gebiet eine wirkliche Pionierrolle einnimmt.

Pionierrolle auch bei Partnerwahl
1992, 10 Jahre nach der Gründung von ProSpecieRara, unterzeichneten in Rio de Janeiro 187 Länder die Biodiversitäts-Konvention, darunter auch die Schweiz. Diese Länder verpflichten sich damit, die Artenvielfalt im eigenen Land für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Koordination der Erhaltungsmassnahmen, die aus dieser Konvention hervorgegangen sind, hat der Bund seit 1998 an die Kommission zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt (SKEK), deren Gründungsmitglied ProSpecieRara ist, abgegeben. Innerhalb dieses Erhaltungsnetzwerkes führt ProSpecieRara im Auftrag des Bundes viele Erhaltungsprojekte aus.

Einen weiteren wichtigen Meilenstein legte ProSpecieRara 1999 zusammen mit Coop. Zu dieser Partnerschaft gehört nicht nur die finanzielle Unterstützung sondern auch das erklärte Ziel, die alten Sorten und Rassen wieder in die Verkaufsregale und so zu den Konsumentinnen und Konsumenten zu bringen. Dabei handelt es sich um eine weltweite Pionierleistung, bei der Grosshandel und Erhalterorganisation zum Schutz und zur Förderung genetischer Ressourcen zusammenspannen. 2012 verkauft Coop übers ganze Jahr gesehen 26 verschiedene ProSpecieRara-Obst und Gemüsesorten und Milchprodukte von der Appenzellerziege. Zudem sind die Setzlinge, der ProSpecieRara-Tomaten und -Peperoni im Frühjahr sehr beliebt.

ProSpecieRara heute
Heute setzt sich die Stiftung für die Erhaltung von 1800 Obst- und 400 Beerensorten, 1100 Garten- und Ackerpflanzensorten, 200 Zierpflanzensorten und 26 Nutztierrassen ein. Dies passiert in Zusammenarbeit mit einem Netzwerk aus über 3000 Aktiven, also ehrenamtlich arbeitenden Tierzüchtern und Sortenerhaltern. Rund 9000 Personen unterstützen die Stiftung als Gönnerinnen und Gönner finanziell.
In einem Schaunetz, das aus rund 70 Obstgärten, Arche-Höfen, Gemüse- und Zierpflanzengärten und Restaurants besteht, können die Besucherinnen und Besucher die seltenen Rassen und Sorten entdecken. Mit dem ProSpecieRara-Label hat die Stiftung zudem ein Gütesiegel geschaffen, das Produkte auszeichnet, die aus den bedrohten Rassen und Sorten hergestellt werden. Denn die Nutztiere und Nutzpflanzen werden nur dann in ausreichendem Mass gehalten und angebaut, wenn auch eine Nachfrage von Konsumentenseite besteht. Mit den Produktemärkten im Herbst (in Zofingen, Zürich und Basel), dem Internetmarktplatz und der Zusammenarbeit mit Coop wird die Vermarktung zusätzlich gefördert.
Gegründet in St. Gallen, schuf ProSpecieRara 1994 in Kölliken eine Sortenzentrale, der Tierbereich blieb weiterhin in St. Gallen. 1996 wurde das Zentrum in Genf und 1997 dasjenige im Tessin eröffnet. 1999 wurden der Pflanzen- und der Tierbereich wieder zusammengelegt und in Aarau wurden die dazu passenden Büroräumlichkeiten gefunden.
Seit Dezember 2012 ist nun der Hauptsitz von ProSpecieRara in den Merian Gärten bei Basel - hier stehen zum ersten Mal direkt vor Ort auch Ställe und Gärten zur Verfügung. Die Zentren in Genf und im Tessin bleiben weiter bestehen.
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