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Wo alte Reissorten das Überleben sichern
Im Mai 2011 besuchte Marianna Serena, Projektleiterin Garten- und Ackerpflanzen bei ProSpecieRara, die Organisation "Masipag" auf den Philippinen. Diese NGO verbessert die Ernährungssicherheit der mittellosen Kleinbauern mit biologischen Anbaumethoden und traditionellen Reissorten. Nachfolgend einige persönliche Eindrücke von Marianna Serena.
"Es war ein spannender Einblick in die Arbeit einer sachverwandten Organisation von ProSpecieRara in einem völlig anderen Umfeld. Masipag (eine Abkürzung von "Partnerschaft zwischen Bauern und Wissenschaftlern für eine nachhaltige Landwirtschaft") hat über 2000 traditionelle samenfeste Reissorten gesammelt und lehrt interessierten Bauern deren Selektion und Weiterzüchtung. Die philippinische NGO (Non-Governement-Organization) arbeitet mit interessierten Kleinbauerngruppen zusammen. Einige davon konnte ich besuchen und ihren harten Arbeitsalltag kennen lernen.

Masipag hilft die Ernährung der Familien zu sichern
Die Ernährungssicherheit der Masipag-Bauern und ihrer Familien hat sich vielerorts stark verbessert, seit sie ihre Felder auf biologischen Anbau und Masipag-Reissorten umgestellt haben. Viele philippinische Kleinbauern verschulden sich hoch, weil sie nach einer schlechten Ernte für die nächste Anbausaison immer teurer werdendes Hybrid-Saatgut, Unkrautvertilgungsmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen und dafür Kredite aufnehmen müssen. Missernten gibt es immer wieder, bedingt durch Taifune, Dürrezeiten, Überschwemmungen und in die Reisfelder einfliessendes salzhaltiges Meerwasser. Wer einmal in der Schuldenfalle gefangen ist, kommt schwerlich wieder raus. Deshalb lehrt Masipag eine ökologische "low-input-Landwirtschaft" bei der das eigene Saatgut selber produziert wird, organische Düngemittel vom eigenen Hof stammen (z.B. Kompost, Tierdung und Holzasche) und pflanzliche Spritzmittel aus Wildpflanzen hergestellt werden. Zudem beginnen die Bauern diversifizierter zu produzieren, in dem sie neben Reis auch Mais und vielerlei tropische Gemüse und Früchte anbauen. Nach schwerwiegenden Katastrophen und Missernten werden Masipag-Bauern manchmal von anderen Masipag-Bauern aus einem anderen Landesteil unterstützt. Ihr starkes Netzwerk ersetzt für sie die inexistente Risikoversicherung.

Die Organisation Masipag
Masipag erreicht in den Philippinen mit ihrer Arbeit rund 35'000 Menschen. Die Organisation ist annähernd gleich alt wie ProSpecieRara und beschäftigt rund 40 Mitarbeitende, welche hauptsächlich als Berater der  Bauerngruppen unterwegs sind. Finanziert wird Masipag durch einige europäische Entwicklungsorganisationen, unter anderem auch durch das schweizerische katholische Hilfswerk Fastenopfer, welches mir den ersten Kontakt zu Masipag ermöglichte.

Bauern ohne Maschinen
Das Leben der philippinischen Kleinbauern kann nicht mit den hiesigen  Bauern verglichen werden. Die Mehrheit der philippinischen Bauern besitzt kein eigenes Land. Das Land gehört noch heute den Grossgrundbesitzern, deren Reichtum seinen Ursprung in der Kolonialzeit der Spanier vom 16.- 19. Jh. hat. Eine Kleinbauernfamilie mit 5 bis 10 Kindern muss sich von 1 bis 2 ha Land ernähren. (Im Vergleich dazu betrug 2010 die durchschnittliche Fläche eines schweizerischen Bauernbetriebes 17.4 ha.) Die Arbeit wird vom Pflanzen bis zur Ernte ausschliesslich von Hand gemacht. Die meisten Bauern besitzen kein motorisiertes Fortbewegungsmittel.

Bauern werden zu Reiszüchter
Mit Masipag-Mitarbeitenden tauschte ich viel Wissen aus: Über die Erhaltung von traditionellen Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen und auch über die zukünftige Entwicklung dieses Erbes. Was mich besonders faszinierte war, dass Masipag einigen Bauern das Züchten von Reis und Mais mit einfachen Methoden lehrte. Unterdessen sind 70 Bauern zu Züchtern geworden. Sie alle haben traditionelle Reissorten gekreuzt. Daraus sind in rund 10 Jahren 273 neue samenfeste Reissorten selektiert worden. Diese neuen Sorten werden in verschiedensten Landesteilen auf Resistenzen und Toleranzen getestet und ihre Eigenschaften werden beschrieben. Einige Neuzüchtungen haben sich als salzwassertolerant hervorgetan, andere Sorten wiederum sind dürretolerant: Das sind überlebenswichtige Eigenschaften, in einem Land wie den Philippinen, das den Klimawandel bereits deutlich zu spüren bekommt und in den letzten Jahren unter instabilen Wetterphänomenen, Dürrezeiten und heftigen Taifunen mit intensiven Regenfällen litt."


Mai 2011, © ProSpecieRara