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ProSpecieRara-Kartoffelsorten im Verwandtschaftstest
Die vielfältigen Kartoffeln in der ProSpecieRara-Erhaltung stammen aus den unterschiedlichsten Regionen der Schweiz und dem nahen Ausland. Dabei sind Duplikate nicht ausgeschlossen, das heisst identische Kartoffeln, die den Weg zu ProSpecieRara über verschiedene Wege fanden.
Als vegetativ vermehrte Pflanzen bleiben die Eigenschaften von Kartoffelsorten über Generationen hinweg praktisch unverändert, da die Tochtergeneration eigentlich ein Klon der Mutterpflanze ist. Um Duplikate zu prüfen, wurden in den Kartoffelprojekten des NAP (Nationaler Aktionsplan zur Erhaltung der Kulturpflanzen) seit 2007 mit viel Aufwand direkte Vergleiche zwischen ähnlichen Sorten gemacht.

Aufwändige Vergleiche
Im Labor der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil (ACW) wird die DNA der verschiedenen Sorten an bestimmten Stellen miteinander verglichen. Wenn die so genannten molekularen Marker auf der DNA von zwei Sorten übereinstimmen, besteht der Verdacht auf identische Sorten. Aber das ist noch längst kein definitiver Beweis für Duplikate, wie die Sorte «Fläckler» zeigt. Denn mit den angewandten Markern ist sie nicht von der «Désirée» zu unterscheiden. Aber optisch erkennt jeder Laie den Unterschied zwischen der gelb-rot gefleckten Schale der «Fläckler» zur durchwegs rot gefärbten Schale der «Désirée».

Verdachtsfälle müssen also zusätzlich im Feld miteinander verglichen werden. Dafür ist es wichtig, dass das Pflanzgut beider Sorten vom gleichen Ort stammt. Die St. Gallische Saatzucht baut dafür in ihrer Kartoffelsammlung für einige Jahre extra Kartoffeln von Vergleichssorten an, die sonst nicht in der Sammlung sind. So kann die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) schliesslich die ähnlichen Sorten unter besten Voraussetzungen miteinander vergleichen. Knollen, Stängel, Blätter, Blüte, Lichtkeime, ja sogar Geschmackstests - die Sorten werden in allen Belangen genau charakterisiert.

Überraschende Resultate
Interessant nun die ersten Resultate der jahrelangen Prüfungsarbeit - und überraschend genauso wie ernüchternd! Einige, der beliebten, lange gehegten Lokalsorten stellten sich nämlich als eindeutige Duplikate von anderen Sorten heraus. So handelt es sich beim «Acht-Wochen-Nüdeli» genauso wie bei der «Müsli Oberkirch» oder «Virgule Béroche» um Duplikate der altbekannten «Ratte» ? immerhin auch eine ProSpecieRara-würdige Sorte. Die «Wiesner» konnten als weitere Herkünfte der «Parli» identifiziert werden. Und «Bleue», «Blaue Emmensteg», «Blaue PSR», «Blaue Hindelbank» usw. können alle unter dem Namen «Blaue Schweden» zusammengefasst werden.

Hingegen sind die sehr ähnlichen «Blaue Ludiano» und «Vitelotte» in diversen Merkmalen unterscheidbar. Und wie die «Fläckler» zur «Désirée» kann auch die «Lilaschalige Uetendorf» nur optisch von «Institut de Beauvais» unterschieden werden. Bei den «Roten Lötschentalern» sind wir wohl einem Verwechslungsfall auf der Spur. Denn die aktuell unter dem Namen bewahrten Knollen sind identisch mit den «Safiern». Doch die ursprüngliche Beschreibung der «Roten Lötschentaler» weicht stark von den heutigen Knollen ab, genauso wie von der «Safier»-Beschreibung. Vielleicht lässt sich also irgendwo noch eine «Originale Rote Lötschentaler» finden?

Wiesner und Parli
Weitere Vergleiche sind für die kommenden Jahre geplant und werden spannende Aufschlüsse über die vielen ProSpecieRara-Sorten ermöglichen. Mittelfristig werden die Informationen zu den Sorten laufend ergänzt, und langfristig werden die verschiedenen Duplikate jeweils zu einer Sorte zusammengefasst. «Parli» ist dann mit dem Synonym «Wiesner» ergänzt und KA-88 halt noch die einzige Sortennummer dieses Typs. Vorerst aber können die Knollen immer noch als «Parli» oder «Wiesner» bestellt werden. - Vielleicht mag ja die eine oder der andere KartoffelfreundIn diese Vergleiche im eigenen Garten selber nochmals nachvollziehen.

Gerne berichten bei Gelegenheit von weiteren Erkenntnissen zu den untersuchten Kartoffelsorten. Mehr zum Kartoffelprojekt insgesamt erfahren Sie hier.


Die Blüte ist nur eines von vielen Unterscheidungsmerkmal zwischen verschiedenen Kartoffelsorten.
Der Ursprung von «Müsli Oberkirch» lässt sich bis in die 1930er Jahre zurück verfolgen, nun entpuppte sie sich als ein Duplikat der Sorte «Ratte».

Molekulare Vergleiche der DNA zeigten, dass «Blaue Ludiano» und «Vitelotte» nicht dasselbe sind. Hingegen ist die «Blaue Veltlin» ein Duplikat der Sorte «Blaue Ludiano».
Degustation als weiteres Element der Sortenidentifizierung. Sie ergab z.B. keine erkennbare Unterschiede zwischen «Wiesner» und «Parli», was die vorherigen Beobachtungen von Pflanzen und DNA mit dem gleichen Resultat bestätigt.
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Philipp Holzherr
Bereichsleiter Vermarktung
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