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Keine Lust auf Patent-Melonen
Trotz Skepsis der Konsumenten werden weiterhin Patente auf Lebewesen erteilt. Der Schweizer Agrokonzern Syngenta mischt munter mit...
Nichtregierungsorganisationen (darunter auch ProSpecieRara), Regierungen sowie Bauern- und Züchterverbände wehren sich seit Jahren gegen die Patentierbarkeit von Nutzpflanzen. Patente verteuern Lebensmittel und Saatgut und nehmen den Züchtern die Möglichkeit, frei auf Pflanzenmaterial für die Weiterzucht zurückzugreifen. Weil immer mehr auch konventionell gezüchtete Pflanzen patentiert werden, hat die Problematik in den letzten Jahren an Dynamik und Relevanz gewonnen.

Syngenta mit schlechtem Beispiel voran

Jüngste Beispiele sind das "Melonenpatent" von Syngenta (EP1587933) und das "Patent auf die Züchtung von Nutzpflanzen, die eine erhöhte Stressresistenz aufweisen" von Bayer (EP 1616013). Der Schweizer Agrokonzern Syngenta lässt weltweit am drittmeisten konventionelle Nutzpflanzen patentieren. Ein besonders umstrittenes Syngenta-Patent wurde diesen April nach der Rückweisung eines Einspruches vom Europäischen Patentamt bestätigt: Die Melone mit dem angenehmen, "herb-erfrischend-sauer-süssen" Geschmack. Syngenta beansprucht mit der Patentierung Anspruch auf die Samen und Früchte aller Melonen, mit einem bestimmten Säure- und Zuckergehalt sowie einem bestimmten ph-Wert. Diese Melonen sind nicht das Resultat moderner Gentechnik. Syngenta brauchte nur bestehende Melonensorten mit gängigen Methoden miteinander zu kreuzen und dann zu selektionieren. Nach den gleichen Prinzipien werden weltweit Gemüse- und Früchtesorten gezüchtet, ohne dass diese ein Patent bekommen.

Kritische KonsumentInnen
Auch Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sehen diese Entwicklung kritisch. Gemäss einer von der Erklärung von Bern (Evb) und Swissaid in Auftrag gegebenen aktuellen Umfrage lehnen zwei Drittel die Patentierbarkeit von Nutzpflanzen generell ab. 68 Prozent wünschen sich eine klare Kennzeichnung patentierter Früchte und Gemüse und knapp 50 Prozent würden auf den Kauf solcher Lebensmittel verzichten. Diese "Abstimmung übers Portemonnaie" ist heute aber nicht möglich, da patentierte Gemüse und Früchte im Laden nicht als solche erkennbar sind.

Protestieren Sie!
Am 26. Oktober und am 8. November 2011 wird das Europäische Patentamt (EPA) in München zwei weitreichende Entscheidungen fällen: In öffentlichen Anhörungen werden die endgültigen Entscheidungen über das Patent auf Brokkoli (EP1069819) und das Patent auf Tomaten (EP 1211926) getroffen. Beide Patente erstrecken sich auf Saatgut, Pflanzen und Lebensmittel aus konventioneller Züchtung. Die Koalition "No patents on seeds" ruft deshalb zu einer öffentlichen Demonstration auf: Am 26. Oktober 2011 um 9 Uhr werden Verbraucher zusammen mit Landwirten und Züchtern öffentlich vor dem Europäischen Patentamt in München (Erhardtstr. 27) protestieren. Bitte unterstützen Sie den Protest! Bitte besuchen Sie auch die öffentliche Anhörung am am 8 November 2011 am EPA.

Der "Schweizer Bauer" hat das Thema "Wem gehören die Pflanzen" Ende Juli in einem Dossier aufgearbeitet.


Oktober 2011, © ProSpecieRara