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Alte Dresdner Zwiebelsorte wieder im Anbau

Die 'Dresdener Plattrunde' ist erstmals wieder in Läden erhältlich

Die Zwiebel 'Dresdener Plattrunde' im Portrait. (c) Albrecht Vetters

Gärtner Henry Müller im Selektionsbestand der 'Dresdener Plattrunden' (c) Ulrike Meißner

Das Engagement weniger Gärtnerinnen und Gärtner macht es möglich: Eine Zwiebelsorte, die vor mehr als 150 Jahren in den Gemüseanbaugebieten um Dresden, besonders in der Lößnitz, gezüchtet wurde, ist erstmals wieder in Dresdner Läden erhältlich.

Zu DDR-Zeiten wurde die ‚Dresdener Plattrunde‘ auch außerhalb des Dresdner Umlandes großflächig angebaut, verschwand jedoch mit der Wende aus dem regionalen Anbau und dem Verkauf. Zur Selbstversorgung baute sie der ein oder andere Gärtner noch an, Saatgut oder Zwiebeln konnten aber nicht mehr gekauft werden.

Gesichert wurde die Sorte in der staatlichen Genbank, von dort stammt wohl das Ursprungssaatgut der heutigen Zwiebel. Gut zehn Jahre wurde sie in Brandenburg im Saatgutgarten Keimzelle vermehrt und selektiert.

Seit 2013 wird die ‚Dresdener Plattrunde‘ nun im Garten der Johannishöhe in Tharandt züchterisch gepflegt. Das Interesse weiterer Gärtner in der Region sorgte dafür, dass die Vermehrung seit fünf Jahren gemeinschaftlich organisiert wird und ideal ablaufen kann: In der Gärtnerei der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) deinHof in Radebeul wird die ‚Dresdener Plattrunde‘ nach der Voranzucht in großer Stückzahl gepflanzt. Der überwiegende Teil der Ernte wird von den Mitglieder der Solawi aufgegessen, doch vorher werden die schönsten Zwiebeln herausgesucht, die im folgenden Jahr dann auf der Johannishöhe den Vermehrungsbestand bilden.

Dabei benötigt die Vermehrung von Zwiebeln, genauso wie die von anderen Gemüsen, viel Pflege und einiges an Beetfläche um größere Mengen Saatgut gewinnen zu können. Für etwa 1 Kilogramm Zwiebelsaatgut, braucht es etwa zweihundert gesunde Zwiebelpflanzen. Je nach Wetter im Anbaujahr fällt die Ernte dann mehr oder weniger groß aus.

Gut war die Zwiebelernte in diesem Jahr in der Saatgutgärtnerei von Albrecht Vetters in Wilschdorf. Hier wurde im Rahmen des Projektes „Mehr Vielfalt und Regionalität beim Bio-Gemüse durch Rekultivierung traditioneller Gemüsesorten“ von Gemüsegärtner Henry Müller ein Vermehrungsbestand der Zwiebel ‚Dresdener Plattrunde‘ angebaut und geerntet. Auch hier werden die Zwiebeln, die dem gewünschten Sortenbild am besten entsprechen, für den Samenbau im nächsten Jahr genutzt. Alle anderen Zwiebeln können von interessierten Menschen verkostet werden: Sie werden zur Zeit über die Läden der Verbrauchergemeinschaft Dresden und die Biomärkte des Vorwerk Podemus verkauft.

Die roh oder gekocht zu genießende aromatische Zwiebel mit angenehmer Schärfe und leichter Süße hat damit einen ersten Schritt Richtung Erhaltung getan. Die Gärtner und Projektverantwortlichen freuen sich über Rückmeldungen zur Verarbeitung und zum Geschmack. In einem nächsten Projektschritt werden Gemüsebaubetriebe gesucht, die den Anbau der ‚Dresdener Plattrunden‘ unter ihren Bedingungen testen möchten. Fallen diese Tests positiv aus, ist das Ziel eine Sortenanmeldung als Erhaltungssorte beim Bundessortenamt. (Ulrike Meißner)

Hinweis: Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

Ulrike Meißner
Tel. 035244 - 498 872