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Kooperationspartner besucht: Das LWL Freilichtmuseum Detmold

Gartenvielfalt des ländlichen Westfalens lebt weiter

 

Schmucker Bauerngarten im Osnabrücker Hof

Gemüsegarten am Osnabrücker Hof

Johannislauch im Vermehrungsgarten des Museums

Gut aufgehoben sind Sämereien im Saatgutlager des Museums

Traditionelle Zäune und Kopfweiden im Freilichtmuseum

Saatguttechnikerin Margret Blümel kümmert sich um den Sortenerhalt im Freilichtmuseum

Das Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Detmold rettet und sammelt seit Jahrzehnten traditionelle Gebäude und präsentiert sie entsprechend ihrer regionalen Herkunft und der althergebrachten Nutzung. In diesem Jahr feiert das Museum sein fünfzigjähriges Gründungsjubiläum. Auf einer Fläche von etwa 90 (!) Hektar finden sich Höfe aus dem Osnabrücker und dem Mindener Land, aus Lippe,dem Sieger- und dem Sauerland, dem Münsterland und dem Westlichen Hellweg sowie ein ganzes Dorfensemble aus der Region Paderborn. Dazwischen spaziert der Besucher durch eine Landschaft aus bewirtschafteten Ackerflächen, Baumpflanzungen, Streuobstwiesen mit alten Obstsorten und vorbei an Weideflächen für Nutztiere alter Rassen. Die vom Aussterben bedrohten Tiere wie das Senner Pferd oder Bentheimer Landschafe werden hier gehalten, um einen Beitrag zum Fortbestand der Rassen zu leisten.

Zu den Höfen und Häusern gehörten und gehören Gärten, die für die Selbstversorgung mit Gemüse, Heilpflanzen oder Blumen genutzt wurden. Die einzelnen Bereiche des Museums sind, obwohl die Gebäude zum Teil deutlich älter sind, jeweils entsprechend ihrer Nutzung beispielsweise um 1800 oder um 1900 aufgebaut und zur Besichtigung eingerichtet. Beim Besuch lässt sich die westfälische Alltagskultur dieser Zeit nachempfinden. Auch die Gärten werden entsprechend der dargestellten Epoche und der überlieferten Nutzung bepflanzt und bewirtschaftet. So findet sich in einem Garten um 1800 typischerweise noch die Gartenmelde, wurde jedoch im Garten um 1900 schon vom „moderneren“ Spinat ersetzt.

Was liegt näher als diese großartige Kulisse auch für den Erhalt eben solcher alter Nutzpflanzen und alter Gemüsesorten zu entwickeln?

Gelungener Übergang vom Projekt zum dauerhaften Engagement

Geboren wurde die Projektidee „Vielfalt ländlicher Gärten“ schon 2011 und nach der ersten Konzeptentwicklung suchten Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund in mehreren Jahren intensiv nach alten lokalen Sorten aus Gemüse- und Ziergarten. Mit dabei ein engagierter Gartenfreund, der sich per Rad auf die Suche nach vielfältigen Gärten machte, ein Ingenieurbüro, welches über die Auswertung von Luftbildern alte Gärten, oft anhand ihrer ornamentalen Struktur aus Buchsbaumhecken erkannte und die Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsarbeit des Museums, die recherchierten und Besucher und Presse informierten und zur Sammlung aufriefen.

Gefunden und von Gärtnern ans Museum übergeben wurden im Laufe des Projektes 160 Gemüse- und Zierpflanzensorten. Eine der prominentesten Gemüsesorten war dabei der Johannislauch ‚Allium x. cornutum‘, derähnlich dem Schnittlauch wächst, aber deutlich größere Zwiebelchen ausbildet. Traditionell wurde er in der Lippischen und Paderborner Region zu Johannis (24. Juni) geerntet und im ortstypischen Gericht mit Rosinen verkocht. Viele ältere Bewohner der Region erinnern sich noch daran, dass der Johannislauch in jedem Jahr auf dem Tisch der Eltern stand.

Dabei ging es im Projekt nicht nur darum die Pflanzen im Freilichtmuseum zu sammeln und zu vermehren. Vielmehr war es das Ziel gefundene alte Sorten wieder an interessierte Gärtner abzugeben, um so ihre Verbreitung zu fördern und damit ihren Erhalt zu sichern. Es wurde ein Netzwerk aus rund 300 Pflanzenpatinnen und -paten aufgebaut, die sich jeweils in ihrem Garten dem Erhalt einzelner Sorten annehmen.

Und auch bei alten Gemüsesorten gilt: Erhalten wird, was gegessen wird. Vom hochstämmigen Grünkohl ‚Lippische Palme‘ wurden im Projekt 14 Lokalsorten gefunden. Eine davon ist inzwischen vom Freilichtmuseum als Amateursorte beim Bundessortenamt angemeldet. Seit dem darf ihr Saatgut, zum Beispiel im Museumsverkauf angeboten werden. Ein Landwirtschaftsbetrieb in der Region baut die Lippische Palme inzwischen an und vermarktet sie in Gläsern eingekocht.

Gärten und Gelände werden heute von einem siebenköpfigen Gärtnerteam und drei Jugendlichen im Freiwilligen Ökologischen Jahr gepflegt. Sie werden regelmäßig von einem zehnköpfigen Team der Lebenshilfe unterstützt. Im Zuge des Projektes wurde eine Teilzeitstelle für eine Saatguttechnikerin geschaffen, die es auch heute noch gibt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, da in ideellen Projekten die durch Fördergelder bezahlten Stellen nach Ende der Förderung meist wieder wegfallen. Das zunächst vom Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft über drei Jahre geförderte Projekt wurde im Anschluss von der Umweltstiftung Detmold weitere zwei Jahre unterstützt. Mit dem Ende dieser Finanzierung stand die Frage: Was wird mit dem Sortenerhalt? Wird in den zukünftigen Gartenjahren weiter jemand dieses Thema im Blick und in den Händen haben? Zum Glück entschied die Museumsleitung weise und macht den Erhalt der Agrobiodiversität auch für die Zukunft zu einem wichtigen Teil der Arbeit vor Ort: die Stelle der Saatguttechnikerin ist nun fest im Museum eingeplant, das Samenarchiv wird weiterhin gepflegt, die Pflanzenvermehrung bewusst gelenkt.

Seit 2019 kooperieren ProSpecieRara und das Freilichtmuseum. Beispielsweise finden gemeinsame Kurse zur Saatgutvermehrung im Museum statt.

Auch in seinem Wirken jenseits der Gärten zeigt das Freilichtmuseum Detmold seinen Einsatz für die Biodiversität. Als erstes Freilichtmuseum weltweit ist es Anfang 2021 Mitglied der Globalen Koalition für Artenvielfalt der Europäischen Kommission geworden. Für den Einsatz für die Gartenvielfalt ist das Freilichtmuseum außerdem im gleichen Jahr als offizielles Projekt der "UN-Dekade Biologische Vielfalt" ausgezeichnet worden.

Das Freilichtmuseum öffnet von April bis Oktober von Dienstag bis Sonntag.