Bäume veredeln

Die meisten Obstarten sind Fremdbefruchter, brauchen also zwingend eine andere Sorte der gleichen Art, um Früchte und Samen auszubilden. Eine sortenechte Vermehrung über Samen ist deshalb kaum möglich. Schon seit über 2000 Jahren werden Obstbäume jedoch mit verschiedenen Techniken vegetativ vermehrt.

Obstarten sind mehrheitlich Fremdbefruchter (mehr dazu siehe hier). Man unterscheidet zwischen selbststerilen Arten, die den Pollen einer anderen Sorte der gleichen Art brauchen, um Früchte auszubilden, selbstbefruchtende Arten, bei denen innerhalb eines Baumes sich die Blüten gegenseitig bestäuben können, und Arten, bei denen einzelne Sorten selbststeril und andere selbstbefruchtend sind.

Um selbststerile Sorten zuverlässig zu vermehren, bleibt nur der Weg über die vegetative Vermehrung (Klonen). Bei den meisten Obstarten kommt dabei die Veredelung zum Zuge.

Die selbststerilen Arten

  • Apfel
  • Birne
  • Kirsche

 

Die je nach Sorte selbststerilen oder selbstbefruchtenden Arten

  • Pflaumen (Zwetschgen, Mirabellen, Reine Claude, …)
  • Sauerkirsche
  • Aprikosen
  • Quitten
  • Pfirsiche

 

Die selbstbefruchtenden Arten

  • Weinbergpfirsich

 

Das Veredeln/Pfropfen
Das Veredeln ist ein Vorgang, bei dem ein «Edelreis», also ein Zweig der gewünschten Sorte, mit einer «Unterlage», also einem bereits vorhandenen Stamm, vereint wird. Synonym für Veredeln ist Pfropfen.

Das Edelreis
Als Edelreis wählt man von einem gesunden Baum, einen einjährigen Trieb mit ca. 5 mm Durchmesser (bleistiftdick) und 20 bis 30 cm Länge. Edelreiser können zu zwei Zeitpunkten im Jahr geschnitten werden. In der Ruhephase (Steinobst im Dezember und Januar, Kernobst im Januar und Februar) mit anschliessender Lagerung bis zum Veredeln im feuchten Sand oder Kühlschrank, oder im August direkt vor dem Veredeln.

Die Unterlage
Die Unterlage soll gut an den Standort angepasst und möglichst resistent sein und die Wüchsigkeit entsprechend der gewünschten Baumgrösse (Niederstamm, Mittelstamm, Hochstamm). Entsprechende Unterlagen bekommen Sie in der Baumschule. Eine andere Möglichkeit besteht darin, auf bereits bestehende Bäume zusätzliche Sorten aufzupfropfen.

 

Die verschiedenen Veredelungstechniken
Es gibt ganz unterschiedliche Veredelungstechniken, die je nach Zeitpunkt im Jahr und Grössenverhältnis zwischen Unterlage und Edelreis angewendet werden. Wir stellen Ihnen hier einige davon vor. Das Handwerk erlernen Sie aber am besten in einem Kurs. Unsere schweizer Kollegen bieten jeweils im Frühling entsprechende an (siehe hier).

Achtung: Die Veredelung gleicht einem chirurgischen Eingriff. Verwenden Sie auf jeden Fall saubere und scharfe Werkzeuge und lassen sie die Wunden nicht zu lange offen.

Das Kopulieren (Bild siehe unten)
Bei dieser Veredelungsmethode wird das Edelreis auf einen Ast des gleichen Durchmessers veredelt. Dabei bleibt keine sichtbare Wunde zurück. Unterlage und Edelreis dürfen nicht mehr als einen Zentimeter Durchmesser haben.

Das Spaltpfropfen
Das Spaltpfropfen ist eine der ältesten Veredelungsmetoden überhaupt. Es ist eine relativ einfache Veredelungstechnik, verursacht aber grosse Wunden. Sie wird angewendet, wenn der Durchmesser der Unterlage deutlich grösser ist als derjenige des Edelreises, oder zu schwach für eine Rindenveredlung.

Die Geissfussveredelung
Die Geissfussveredelung wird angewendet, wenn der Durchmesser der Unterlage deutlich grösser ist als derjenige des Edelreises, oder zu schwach für eine Rindenveredlung. Diese Veredelungsmethode wird beim Kernobst zwischen Februar und April und bei Kirschen im September angewendet.

Das Pfropfen unter die Rinde
Das Pfropfen unter die Rinde eignet sich für die Veredlung von Ästen mit einem Durchmesser von 2 bis 10 cm. Ist die Veredelungsstelle zu gross, riskiert man, dass die Wunde nicht komplett vernarbt. Diese Methode wird bei allen Arten von April bis Mai angewendet, wenn sich die Rinde gut löst, Kirschen werden Ende August so veredelt.

Das Okulieren (Bild siehe unten)
Diese Technik wird bei jungen Unterlagen von Anfang August bis Anfang September angewendet. Dabei wird ein Auge der gewünschten Sorte unter die Rinde der Unterlage gesetzt. Dieses treibt im Frühling darauf aus und bildet einen Ast der neuen Sorte aus.